Grundlagenwissen Espresso mit dem Siebträger

Im letzten Blogeintrag habe ich über die verschiedenen Arten von Siebträgermaschinen berichtet. In diesem Beitrag möchte ich ein paar Basics zum Espressobrühen darstellen. Natürlich findet ihr auch viele gute Videos auf YouTube und Co.

Was ist ein Espresso?

Eigentlich freue ich mich ja, mal etwas schreiben zu können, ohne viel Rücksicht auf wissenschaftliche Best Practices nehmen zu müssen. Hier einmal die Ausnahme. Laut Instituto Nazionale Espresso Italiano ist ein Italienischer Espresso folgendermaßen definiert: Qualifiziertes Personal brüht mit einer tauglichen (frei übersetzt von „qualified“) Maschine Italienischen Espresso aus einer tauglichen Mühle mit einer tauglichen Bohne(nmischung). Die taugliche Maschine haben wir in dem letzten Beitrag bereits erläutert. In diesem Beitrag geht es hauptsächlich um das qualifizierte Personal, also euch. 🙂

Menge Kaffeemehl7g ± 0,5g
Wassertemperatur am Ausgang der Brühgruppe88°C ± 2°C
Trinktemperatur67°C ± 3°C
Wasserdruck am Ausgang der Brühgruppe9bar ± 1bar
Brühzeit25s ± 5s
Viskosität> 1,5mPa s bei 45°C
Fett> 50mg ± 1mg
Koffein< 100mg
Menge inklusive Crema25ml ± 2,5ml
Parameter für einen Espresso Italiano. Quelle: http://www.espressoitaliano.org/files/File/istituzionale_inei_hq_en.pdf

Da wir kein Zertifikat erwerben wollen, sondern einfach nur einen guten Espresso genießen wollen, können wir uns die Freiheit nehmen auch von diesen Daten abzuweichen. Diese Tabelle dient aber als guter Ausgangspunkt.

Los geht’s

Ihr habt nun eure Espressomaschine gekauft (und hoffentlich auch eure Mühle), angeschlossen und in der Küche stehen. Als erstes stellen wir uns die Frage: Welche der oben gezeigten Parameter können wir direkt beeinflussen? Bei einer Maschine ohne Temperatursteuerung ist diese fix*. Auch den Pumpendruck können wir normalerweise nicht beeinflussen. Viskosität, Fett- und Koffeingehalt können wir so einfach nicht messen. Uns bleiben also die Menge Kaffeemehl, die Brühzeit und die Menge in der Tasse. Weiterhin können wir mit unserer Mühle den Mahlgrad des Kaffeemehls variieren. Diese vier Variablen hängen miteinander zusammen. Um uns einem guten Espresso anzunähern, sollten wir weitere Variablen fixieren. Da sie mit jedem Smartphone gut zu überwachen ist und wir einen Startwert aus der Tabelle haben, fangen wir mit der Brühzeit an. Diese sollte ab Betätigen des Brühschalters etwa 25 Sekunden betragen.** Mit einer empfehlenswerten Feinwaage (sollte auf 2 Nachkommastellen genau Gramm wiegen können, die letzte Stelle kann aber ignoriert werden) könnt ihr nun 7g Mehl in den Siebträger geben, andrücken und gleichzeitig Stopuhr und Bezugsschalter betätigen. Sind 25 Sekunden abgelaufen, sollten etwa 25ml inklusive Crema in der Tasse gelandet sein. Weist der Messbecher nach 25 Sekunden weniger auf, bedeutet dies, dass euer Mahlgrad zu fein gewählt war. Wahrscheinlich habt ihr nun ein recht bitteres Ergebnis produziert. Sind es nach 25 Sekunden mehr als 25ml, war euer Mahlgrad zu hoch – oft schmeckt das Ergebnis dann eher säuerlich. Ihr müsst nun so lange ausprobieren, bis die Zeit in etwa hinkommt – und euch das Ergebnis schmeckt.

Abweichungen von der Norm

Und was wenn nicht? Es kann durchaus sein, dass ihr mit diesen Daten nicht vom Ergebnis begeistert seid. Dann solltet ihr probieren, an der Menge Kaffeemehl zu variieren. Nehmt ein Gramm mehr Mehl und dafür einen etwas groberen Mahlgrad, bis die 25ml/25s wieder erreicht sind. Oder eben umgekehrt: Weniger, aber feineres Mehl. Da dieses Spiel zu Beginn mehrfach wiederholt werden muss, empfiehlt es sich, zunächst eine größere Menge Bohnen zu kaufen – am besten Kilopackungen, da diese vom gleichen Rösttag und damit relativ konstant sein sollten.

Möglicherweise habt ihr Bohnen, die eine längere Extraktionszeit erfordern. Häufig sind dies dunklere, also stärker geröstete, Sorten. Auch die Menge in der Tasse ist teilweise gar nicht so einfach festzustellen. Manche Sorten, insbesondere mit hohem Robustaanteil sorgen für ein wahres Schaumbad an Crema in der Tasse. Die Crema hat allerdings auch viel mehr Volumen, entsprechend solltet ihr bei diesen Sorten bei der Menge einen Aufschlag bei der Menge geben.

Das Tampern

Am Tampern, also dem Andrücken des Kaffeemehls im Siebträger mittels des Stampfers, scheiden sich die Geister. Vorweg: Ich persönlich halte die Bedeutung allgemein für überschätzt. Egal wie viel Druck ich auf das Pulver gegeben habe, auf die Extraktionszeit hatte dies praktisch keinen Einfluss. Auch habe ich einmal den Versuch gestartet, ganz ohne Tampern auszukommen. Hierzu habe ich nur das Mehl gleichmäßig im Siebträger verteilt und eingespannt. Auch hier gab es was die Extraktionszeit und den Geschmack angeht kaum einen Unterschied. Dies entspricht das auch meinen Erfahrungen in Italien: Die Barista dort, tampern oft nur mit dem an den Gastromühlen angebrachten Tampern – im Grunde ist das nicht mehr als ein plandrücken. Tamper mit einstellbarem Druck und ähnliches sind sicher coole Gadgets für Geeks, für den Anfang reichen aber sogar die oft mitgelieferten Plastikteile.

Fazit

Was ich hier aufgeschrieben habe, klingt viel komplizierter als es wirklich ist. Die meisten Arbeitsschritte gehen nach ein paar Tagen einfach aus dem Handgelenk. Die hier ausgeführten Schritte dienen aber dem Verständnis und sollen euch helfen, ein Gefühl für das Gebräu in der Tasse zu entwickeln.

Habt ihr andere Erfahrungen? Seid ihr Tamperfans? Bitte kommentieren. 🙂

*Für die Profis, die jetzt aufschreien werden: Per kurzzeitigem Aktivieren der Dampftaste ist es auch ohne Controller möglich, die Temperatur zu erhöhen („Temperatursurfen“).

**Bei manchen Geräten, zu denen insbesondere die mit E61-Brühgruppe zählen, sollte beachtet werden, dass es eine sogenannte Preinfusion gibt. Hier wird vor dem eigentlichen Bezug Wasser auf den Kaffeepuck gegeben, so dass dieser aufquellen kann. Dies soll den Geschmack verbessern. Die Extraktionszeit beginnt dann genau genommen erst nach der Preinfusion.

Basiswissen Siebträgermaschinen

Ich werde ab und zu gefragt, welche Espressomaschine ich als „Espresso-Nerd“ für den Einstieg empfehlen würde. Dabei merke ich, dass ich sofort in einen schwer zu durchdringenden Redeschwall gerate, weshalb ich mich entschlossen habe, mein Wissen darüber mal in strukturierter(er) Form aufzuschreiben. Bei SI trinken wir ja alle gerne Kaffee, daher passt der Eintrag auch hierher.. Irgendwie.. 🙂

Disclaimer: Wie bei jedem Hobby ist es problemlos möglich, auch das Espressozubereiten noch exzessiver zu betreiben. Ich hoffe, einen Mittelweg darzustellen – bin mir aber bewusst, dass es sicher auch Espressotrinker mit noch höheren Ansprüchen geben mag.

Was brauche ich für den Einstieg?

Die Minimalausrüstung aus meiner Sicht: Du brauchst eine gute Mühle, gute Bohnen und – natürlich – eine Espressomaschine. Die Reihenfolge ist hierbei durchaus bewusst gewählt: Ohne Mühle geht es nicht! Ich habe es zu Beginn vor 11 Jahren versucht, und obwohl ich kein Mensch der absoluten Aussagen bin, mache ich hier eine Ausnahme: Es ist absolut unmöglich, mit vorgemahlenem Kaffee einen guten Espresso aus einer Siegträgermaschine zu beziehen!

Die Mühle

Die wichtigste Anforderung an eine Espressomühle ist die Fähigkeit, gleichmäßig-feines Kaffeemehl zu produzieren. Unter der Lupe betrachtet, besteht Espressomehl aus feinen Blättchen. Produziert werden diese nur durch Mühlen mit Mahlscheiben oder konischen Mahlwerken. Schlagmessermühlen schaffen das nicht, das Mahlgut würde viel zu ungleichmäßig werden und nicht die richtige Struktur aufweisen.

Für den Anfang gibt es sogar einige überraschend preiswerte Handmühlen. Diese sind absolut geeignet zur Zubereitung von Espresso und auch sehr leise, wie lange du daran Spaß haben wirst, weiß ich aber nicht. 🙂 Zu den Mühlen kommt in nächster Zeit noch ein eigener Eintrag.

Die Bohnen

Gute Espressobohnen bekommst du selten im Supermarkt. Die meisten industriell hergestellten Espressobohnen werden in großen Öfen geröstet, um die Durchlaufzeit zu erhöhen und den Produktionsoutput zu erhöhen, oft mit sehr hohen Temperaturen. Das resultiert oftmals in Bohnen die außen dunkel und innen noch fast roh sind. Kleine, spezialisierte Röstereien lassen sich mehr Zeit, rösten weniger Bohnen auf einmal und das bei niedrigeren und schonenderen Temperaturen. Dies führt zu einem gleichmäßigeren Röstergebnis. Noch dazu wissen sie normalerweise, woher die Bohnen stammen und unter welchen Bedingungen sie angebaut wurden. Ein wichtiger Punkt bei einem Produkt, das meist aus eher armen Ländern stammt. Mit 20 EUR/kg wirst du allerdings rechnen müssen, deutlich günstigere Preise sind fast nicht zu bekommen und deuten auf Industrieprodukte hin.

Die Espressomaschine

Kommen wir zu dem Punkt, der dich vermutlich interessiert. Die Espressomaschine. Theoretisch handelt es sich bei einer Espressomaschine um nichts anderes als einen Kessel mit Heizung und Ventilen, einer Pumpe und einer Vorrichtung um den Siebträger einzuspannen. Natürlich ist das überspitzt gesagt, soll aber zum Ausdruck bringen, dass die Wahl der Maschine zunächst gar nicht so bedeutsam ist. Die beste und teuerste Maschine wird ohne richtige Bohnen und einer guten Mühle nichts Genießbares produzieren können.

Trotzdem gibt es viele bedeutende Unterschiede zwischen den Maschinen und Details, auf die ihr beim Kauf achten solltet.

Einkreiser oder Zweikreiser?

Diese Frage ist wohl die Grundlegendste bei der Wahl der Siebträgermaschinen. Der Einkreiser besitzt lediglich einen Kessel, der sowohl für das Aufheizen des Espressowassers, als auch für den Dampf zum Aufschäumen der Milch zuständig ist. Konkret bedeutet das für die Zubereitung eines Cappuccionos: Du musst zuerst den Espresso zubereiten, dann mittels der Dampftaste den Kessel auf eine höhere Temperatur umschalten, warten, bis Dampf entstanden ist und dann kannst du die Milch aufschäumen. Nach Beenden des Aufschäumens, musst du den Kessel wieder auf Normaltemperatur abkühlen lassen (durch Anschalten der Pumpe wird kaltes Wasser in den Kessel geleitet, wenn ein klarer Wasserstrahl aus der Dampflanze kommt, ist der Kessel wieder abgekühlt). Erst jetzt kannst du den nächsten Espresso zubereiten. Auch ist die Dampfleistung, also die Menge des entnehmbaren Dampfes oft zu knapp für größere Mengen aufgeschäumter Milch. Du siehst schon, mit einem Einkreiser wird eine „Massenproduktion“ von Cappuccino nicht möglich sein, deine Gäste müssten eine Zeitlang warten. Wenn du eh keine Milchgetränke magst, ist das natürlich kein Kriterium.

Neben dieser systembedingten Einschränkung handelt es sich bei Einkreisern meistens um reine Haushaltsmaschinen mit einem kleinen Kessel. Dies führt auch zu einer geringeren Temperaturstabilität: Während des Bezugs kühlt der Kessel stärker ab, was Auswirkungen auf den Geschmack des Espressos hat. Dazu kann es passieren, dass der zweite Espresso anders schmeckt als der erste, da sich die Temperatur verändert hat. Manche Maschinen besitzen eine elektronische Steuerung (genannt PID Controller – Proportional Integral Derivative Controller), die diese wellenförmige Temperaturschwankung durch „vorausschauendes“ Aktivieren der Heizung glätten. Hier ist oft auch möglich, die Brühtemperatur zu wählen und auf die jeweilige Bohne abzustimmen.

Der Zweikreiser weist zwei ineinanderverschachtelte Kessel mit unterschiedlichen Temperaturen auf, die zusammen in einem thermischen Gleichgewicht stehen. Meist ist es ein großer Kessel indem Heißwasser für Teebezug und Dampf für das Milchaufschäumen produziert wird und ein kleinerer für den Espressobezug. Durch diese Anordnung ist es möglich, gleichzeitig Dampf und Espresso zu beziehen. Durch die Größe der Kessel sind diese Maschinen so temperaturstabil, dass dies kaum negative Auswirkungen auf die Zubereitungsqualität hat. Auch die Temperatur während des Bezugs bleibt stabiler als bei den meisten Einkreisern. Viele der professionellen Maschinen in Cafés und Restaurants funktionieren nach diesem Prinzip.

Darüberhinaus gibt es auch noch den Dualboiler. Hier gibt es zwei voneinander getrennte Kessel, die einzeln gesteuert werden und ebenfalls unabhängige Dampf- und Brühwasserkreisläufe aufweisen. Meinem Eindruck nach, gewinnen diese Maschinen zunehmend an Beliebtheit, sind allerdings wegen des oft kleinen Kessels ähnlich wie der Einkreiser oft nicht so temperaturstabil und haben weniger Dampfleistung (zumindest im niedrigeren Preissegment).

Heiztechnik

Weitere Unterschiede der Maschinen betreffen die Art, wie das Wasser erhitzt wird. Bisher habe ich hauptsächlich von Kesseln oder Boilern gesprochen, also einer Kammer, die mit einer innen oder teilweise auch außen montierten Heizung erhitzt wird. Abhängig von den verwendeten Materialien und der Kesselgröße gibt es Unterschiede bzgl. der Temperaturstabilität während des Bezugs und der notwendigen Zeit, bis die Maschine Betriebstemperatur erreicht hat.

Eine ganz andere Bauweise ist der sogenannte Thermoblock. Bei dieser Bauweise wird das Wasser durch ein spiralenförmiges Rohr geleitet, das in einem beheizten Metallblock (meistens Aluminium) verbaut ist. Wie bei einem Durchlauferhitzer erreicht das Wasser so am Ausgang die Brühtemperatur.

Pauschal ist kaum zu sagen, welches System besser ist. Gegenüber Boilermaschinen haben Thermoblockmaschinen aber einige systembedingte Nachteile: Die Temperatur am Ausgang des Thermoblocks ist abhängig von der Durchlaufgeschwindigkeit des Wassers, da der massive Metallblock ständig Energie an das Wasser im Heizrohr abgibt. Optimal ist die Temperatur, wenn das Wasser vorher nicht im Block gestanden hat. Nach einer längeren Standzeit ist es also notwendig, erstmal das zu heiße Wasser ablaufen zu lassen um die Maschine in den richtigen Temperaturbereich zu kriegen. Theoretisch kann auch zu großer Gegendruck im Siebträger (viel oder sehr feines Mehl) die Durchflussgeschwindigkeit verlangsamen und so die Temperatur erhöhen. Thermoblockmaschinen wird zudem häufig nachgesagt, dass sie weniger Dampfleistung aufweisen, es also ggf. schwieriger sein könnte, Milch für Cappuccino herzustellen.

Im Dauerbetrieb hat der Thermoblock allerdings den Vorteil, dass die Maschine kaum nachheizen muss, da sie ja gerade dafür gebaut ist, ständig Wasser zu erhitzen. Wartezeiten zwischendurch wie bei Kesselmaschinen können so entfallen. Zudem sind auch Boilermaschinen von Temperaturinstabilität betroffen, insbesondere bei Geräten mit sehr kleinen Kesseln (teilweise mit nur 200ml Fassungsvermögen). Außerdem ist die Aufheizzeit oft geringer, aber dazu im folgenden Abschnitt mehr.

Aufheizzeit

Viele Umsteiger von Kapsel- oder Padmaschinen sind erschrocken über die Aufheizzeiten. Umso mehr, wenn ich sage, dass die vom Hersteller angegebenen Zeiten oft deutlich zu kurz gegriffen sind. Warum? Espresso ist ein recht komplexes Gebilde (merkt man schon an der Länge dieses Beitrages… :-)), welches auf kleine Abweichungen sehr empfindlich reagiert. Bist du von einem Espresso begeistert, kann beim nächsten Bezug allein etwas zu kaltes Brühwasser zu einem sauren Geschmack führen, den du am liebsten ausspucken willst. Andersherum kann auch nur leicht zu heißes Wasser zu einem sehr bitteren Geschmack führen. Die Brühtemperatur ist also sehr wichtig. Da die meisten Maschinen die Brühgruppe, also das Bauteil in dem der Siebträger hängt, nur passiv von der Abwärme des Boilers erwärmt wird, dauert es, bis die oft aus massivem Metall gefertigten Teile Betriebstemperatur erreicht haben. Die Hersteller geben oft nur die Aufheizzeit des Kesselwassers an, die früher erreicht ist. Beim Bezug läuft dann das richtig temperierte Wasser durch eine kalte Brühgruppe – und kühlt ab. Wirklich Betriebstemperatur hat die Maschine erst, wenn du dir am Auslauf des Siebträgers die Finger verbrennst. 🙂 Das dauert aber bei den allermeisten Maschinen, unabhängig von Thermoblock oder Boiler mindestens 10 Minuten, teilweise sogar 20-30. Hilfreich können hierbei Zeitschaltuhren oder Smart Home Lösungen sein, mit denen ihr die Maschine automatisch einschalten lassen könnt. Aber Vorsicht: Die Maschine niemals angeschaltet allein lassen. 🙂

Das Magnetventil

Ein oft nicht beachtetes Bauteil ist das sogenannte Magnetventil. Das Magnetventil wird beim Beenden des Kaffeebezugs geschalten und erzeugt einen Unterdruck im Siebträger. Das hat zwei Effekte: Der von der Pumpe beim Bezug erzeugte Druck wird abgebaut und auf dem Kaffeepuck stehendes Wasser wird in die Brühgruppe gesaugt. Ohne dieses Bauteil müsstet ihr vor dem Ausspannen des Siebträgers einige Zeit warten, bis sich der Druck auf dem Siebträger von selbst abgebaut hat, sonst ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Kaffeematsch durch die Küche gespritzt wird. Das Absaugen des Wassers bewirkt außerdem, dass das Kaffeemehl relativ trocken ist und ihr nach dem Abschlagen einen leicht zu entsorgenden Kaffeepuck erhaltet (anstatt eines Häufchen Kaffeematsches).

Zudem ermöglicht euch das Magnetventil auch das sog. Rückspülen. Hierbei handelt es sich um eine Reinigung der Brühgruppe mittels eines Blindsiebes (eines Siebes ohne Löcher) und ggf. Kaffeefettlöser. So könnt ihr einfach und effektiv die Brühgruppe von Kaffeeresten befreien.

Brühdruck

Diesen Absatz habe ich nachträglich hinzugefügt, da ich den Druck ganz vergessen habe. Ehrlich gesagt wäre das aber auch fast meine Empfehlung: Vergesst ihn.

Das ist natürlich auch übertrieben. Aber die Bedeutung, die dem Brühdruck teilweise auf Werbematerial beigemessen wird, halte ich für übertrieben. Für ganz falsch halte ich die „je mehr desto besser“-Aussage, die teilweise mitschwingt. Im Netz gibt es Tausende Anleitungen von Leuten, die sogar den umgekehrten Weg gehen und den Brühdruck aktiv reduzieren.

Letztlich ist der Druck eine Stellschraube von vielen. Gerade zu Beginn würde ich aber empfehlen, die Freiheitsgrade eher zu verringern als zu maximieren, daher Druck konstant lassen und auf andere Dinge achten.

Werkstoffe

Weiter gibt es noch die Materialien zu betrachten, aus denen die Maschinen gefertigt sind. Insbesondere meine ich damit die Bauteile, die mit dem Wasser in Berührung kommen. Insbesondere Alumnium hat einige Nachteile. Das Material wird aufgrund seiner thermischen Eigenschaften gern verwendet (die berühmten Herdkocher sind zum Beispiel meist aus Aluminium), macht aber das Entkalken schwierig. Die meisten Entkalkungsmittel sind auf Zitronensäurebasis, welche mit Aluminium reagiert (zu Aluminiumcitrat und Wasserstoff), diesen also angreift. Zudem sieht das Ergebnis nicht gerade appetitlich aus. Darüber hinaus wirst du Aussagen im Netz finden, die in der Aufnahme von Verbindungen aus Aluminium und Zitronensäure mögliche Kausalzusammenhänge zum Auftreten von Alzheimer thematisieren. Ob das wissenschaftlich belegten Fakten entspricht, vermag ich mangels medizinischer Fachkenntnis nicht zu sagen. Da Aluminium mit Sauerstoff sehr reaktiv ist, kommt das Brühwasser normal sowieso eher mit einer Aluminiumoxidschicht in Berührung, die zudem meist von Kalkablagerungen bedeckt ist. Insofern gehe ich davon aus, das Aluminiumkessel in Ordnung sind – solange man eben nicht mit Zitronensäure entkalkt. Kessel aus Edelstahl sind hier deutlich pflegeleichter.

Weitere Funktionen

Viele wesentlichen Features habe ich angesprochen. Darüberhinaus gibt es noch viele weitere Funktionen, die aber aus meiner Sicht nicht unbedingt notwendig, sondern eher Begeisterungsmerkmale sind. Dazu gehört der bereits angesprochene PID Controller. Es ist definitiv möglich, ohne einen solchen sehr guten Espresso zu brühen. Wenn du aber das letzte aus der Bohne herausholen willst, kann der PID Controller dabei wertvoll unterstützen. Eine Brühautomatik, also eine automatische Abschaltung des Brühvorgangs nach einer bestimmten Zeit, ist sehr bequem – allerdings sollte das Ergebnis in der Tasse ausschlaggebend sein für das Ende des Brühergebnisses, nicht die verstrichene Zeit. Das sollte gut aufeinander eingestellt sein, sonst ist die Automatik sogar kontraproduktiv. Dazu in einem anderen Blogeintrag mehr.

Was soll ich nun kaufen?

Die Antwort auf diese Frage ist die befürchtete: Es kommt darauf an. 🙂 Wie sieht dein persönliches Trinkprofil aus? Nur Espresso und nichts mit Milch? Dann wird der Einkreiser vermutlich ausreichend gute Dienste erweisen. Die Maschine sollte aus meiner Sicht aber unbedingt ein Magnetventil haben. Auch ab und zu mal einen Cappuccino bekommst du locker damit hin, auf der Familienfeier wird es aber schnell stressig. Regelmäßig Cappuccino für die Familie und Freunde? Dann führt kaum ein Weg am Zweikreiser vorbei, je nach Gerät bietet sich vielleicht auch ein Dual Boiler an. Die weiteren Funktionen sind wohl eine Frage der Zahlungsbereitschaft und spezifischer Wünsche.

Was kostet das?

Günstige Einkreiser mit Magnetventil fangen bei Neupreisen um die 400 EUR an. Zweikreiser kosten gerne das doppelte, Dual Boiler mit Thermoblock fangen bei 500 EUR an. Nach oben sind bei allen kaum Grenzen gesetzt. Möglicherweise sind aber gebrauchte Geräte eine Möglichkeit. Fachhändler bieten oft überholte Geräte an, auch Tauschbörsen wie im Kaffee-Netz sind eine Möglichkeit neben noch mehr Infos auch an gepflegte Gebrauchtgeräte zu gelangen.

Gute Mühlen sind ebenfalls nicht billig. Geeignete Handmühlen fangen bei etwa 40 EUR an, elektrische bei 120. Da es auch hier eine Vielzahl an nützlichen und komfortablen Features gibt, gehen auch hier die Preise deutlich höher.

Gute Bohnen wie gesagt etwa 20€/Kilo, dazu noch etwas Zubehör wie Brühgruppenbürste, Kaffeefettlöser und Blindsieb.

Ich hoffe, ich konnte ein bisschen Licht in dieses Thema bringen. Habt ihr eine andere Meinung? Ich freue mich über eure Kommentare.

Night Fight – Der Afterburner im All

Zwei Beiträge zum Overnight Contest haben wir euch schon vorgestellt, heute folgt unser allererstes Overnight Spiel. Er entstand während der DUSmania 2007 in Rodgau, in der Nähe von Darmstadt. Die DUSmania war das jährliche Treffen der Deutschen Untergrund Spiele – einer Gemeinschaft von Hobbyspieleentwicklern, der wir uns lange zugehörig fühlten. (Nach dem Ende der DUS sprang die Developia in die Bresche und entsprechend änderte sich der Name des Events später auch in Devmania.) Das Thema des Contests der letzten DUSmania war Weltall und so kamen wir zu unserem ersten – und bisher einzigen – Beitrag zu einem der klassischsten Genres der Computerspiele: Dem Weltraumshooter.

Storyline und Spielziel

Die Story ist schnell erzählt: Es handelt sich um ein Capture the Flag Spiel in einem Zweispielermodus an einem Computer. Ziel ist es, die gegnerische Flag zu stehlen und seine eigene zu beschützen. Jeder Spieler steuert eines der Raumschiffe, die zwar unterschiedlich aussehen – eines ähnelt dem Millennium Falken aus Star Wars, eines eher einem X-Wing Fighter – aber ein identisches Flugverhalten haben.

Screenshot aus Night Fight – Der Afterburner im All. Die Home Bases der Spieler sind in den beiden Ecken auf der Diagonalen – die schwarz-gelbe Wand grenzt das Spielfeld ab.

Technik

Microsoft XNA und C#. Seba hat mir gestern erzählt, dass es gar nicht XNA war, sondern eine Engine, die uns für den Contest zu Verfügung gestellt wurde. Wir müssen wohl mal die Archive durchforsten. 🙂 Die Planeten und die Donut-förmigen Home Bases waren unsere ersten, bescheidenen Versuche der 3D-Modellierung, das Spiel selbst ist 2D.

Der Splashscreen von Night Fight. Noch mit dem alten 486er-Logo und dem dickeren SI Logo. Letzteres hatte hier seinen letzten Auftritt.

Rezeption

Das Spiel ist selbst bei uns fast in Vergessenheit geraten – die folgenden Projekte wie Horace und die Sportspiele mit der Wii-Remote haben uns mehr Spaß und Motivation gebracht – trotzdem tauchen in unseren Archiven in den dunkelsten Ecken der Festplatte noch Ordner mit dem Titel Night Fight 2 auf.

One more thing

Mit dieser Erinnerung an das Jahr 2007 wünsche ich Seba alles Gute zum 33. Geburtstag! 🙂

Horace: The Moonlight Madness

Die Vorstellungsreihe unserer ehemaligen Projekte setzen wir mit unserem absoluten Lieblingsspiel fort: Horace: The Moonlight Madness oder einfach nur Moonlight Madness. Es ist das zweite Spiel unserer Horace-Reihe, einem Fantasy-Universum, das wir uns im Jahr davor auf der Devmania 2008 ausgedacht hatten.

Bei Moonlight Madness handelt es sich um einen Beitrag zum Overnight-Contest der Devmania 2010, es wurde also von Samstag Abend bis Sonntag Morgen entwickelt. Als Thema wurde von den Organisatoren der Mond gewählt – offensichtlich auch der Namensgeber des Spiels.

Storyline

Auf dem Kontinent Horace sind die irren Maschinen los: Automatisierten Ernterobotern in Käferform hat das gleißende Mondlicht nicht gut getan. Sie fangen an zu spinnen und fressen alles, was ihnen in die Quere kommt. Ein Team von Hörnchen, einem Volk des südlichen Kontinents, wird losgeschickt um die Maschinen wieder in Ordnung zu bringen. Moonlight Madness thematisiert den steinigen Weg über die Felder. Zahlreiche Hindernisse müssen überwunden werden. Aber Vorsicht: Anhalten unmöglich! Brennende Büsche, Mauern und die irren Ernteroboter kommen einem dabei ständig in die Quere.

Spielziel

Bis zu vier Spieler übernehmen eines der Hörnchen. Der aus dem Vorgängerspiel bekannte Frank (gesprochen Fräänk), der schmierige Fernando, der lahme Felipe und Mike stehen zur Wahl. Gewonnen hat, wer am weitesten kommt.

Der Start- und Endbildschirm von Horace – The Moonlight Madness. Die Spielfiguren und alle andere Gegenstände waren in 3D ausmodelliert, das Flugzeug oben links gehört zu einem geplanten Nachfolgeprojekt.

Technik

Die Ursprungsversion von Moonlight Madness basiert auf Microsoft XNA und C#. Zwischenzeitlich haben wir das Spiel auf die Unity Engine portiert, was es uns erstmalig ermöglichte, ein Spiel auf das Smartphone zu bringen. An diesem Projekt sind wir aktuell auch wieder dran.

Ein Spieler (Felipe) ist noch verblieben, er setzt gerade zum Sprung über einen der Roboterkäfer an.

Download

Wir arbeiten aktuell an einer Unity-basierten Version für Smartphones und hoffen, diese in nächster Zeit veröffentlichen zu können. Da wir SI Entertainment aber nur rein hobbymäßig betreiben, sind Zeitpläne naturgemäß schwierig.. 🙂

Rezeption

Viele Hobbyspieleentwickler werden das kennen: Man entwickelt ein Spiel um etwas auszuprobieren, für einen Wettbewerb, zum Zeitvertreib.. Tatsächlich spielen tut man sie selten, häufig finden die Spiele nicht mal den Weg in die Öffentlichkeit. Bei vielen Projekten ging es uns auch so, Moonlight Madness spielen wir aber selbst heute noch gern. Das total simple Prinzip funktioniert auch fast 10 Jahre nach Erscheinen.

PS: Den Contest haben wir leider nicht gewonnen. 😉

SI Winter Arcade Race

Wir beginnen mit der Vorstellung unserer Projekte mit dem Spiel unserer bisher letzten Devmania aus dem Jahr 2015, wo wir das Spiel während des Overnight Contests der Devmania entwickelten. Ziel des Contests war es, zum Thema „Winter“ von Samstagnachmittag bis Sonntagvormittag ein Spiel über Nacht zu entwickeln. Teaser: Wir haben den Contest leider nicht gewonnen. 🙂

Hintergrund

Wir entwickelten schon einmal ein Rennspiel mit ähnlichem Namen: SI Arcade Race war in 2001 unser erstes fertiges Spiel – eine Art Carrera Bahn für den Computer. Es war möglich Streckenteile zusammenzubauen und so eigene Strecken zu bauen. Gesteuert wurde mit nur einer Taste, die Autos sind wie von Geisterhand der Strecke gefolgt – allerdings nur, wenn der Spieler nicht zu schnell war: Sonst flog er im hohen Bogen von der Bahn und musste warten, bis das Auto wieder auf die Strecke zurückgesetzt wurde – in der Zeit war der Gegner schon über alle Berge.

SI Winter Arcade Race

Für die Winterausgabe des Spiels wollten wir das Gameplay unbedingt verändern, denn mal ehrlich, viel Fahrgefühl kommt mit einer Carrerabahn nicht unbedingt auf. Insbesondere das Rutschen auf winterlichen Straßen lässt sich ohne Schiene viel besser erleben. So besteht die Kunst jetzt darin, während drei Runden das Auto möglichst auf der Strecke zu halten, trotz der sehr schwierigen, winterlichen Bedingungen. Der Spieler ist gefordert sehr vorsichtig mit Gas, Bremse und Lenkung umzugehen. Wer von den beiden Spielern nach drei Runden als erster die Ziellinie überquert hat gewonnen.

Wir haben viel Zeit mit der Fahrphysik verbracht. Als Ansicht wählten wir, genau wie beim Vorgänger aus 2001, die Top-Down-Perspektive. Die Strecken werden aus Bandenteilen geformt, drei verschiedene vorgefertigte Strecken sind befahrbar. Es können zwei Spieler an einem Computer gegeneinander antreten.

Das Titelbild ist dem von SI Arcade Race von 2001 nachempfunden. Es wurde in etwa 2 Minuten erstellt.

Technik

Das Spiel basiert auf der Unity-Engine, es gab sowohl Versionen für Mac als auch PC.

Download

Wir haben vor alle Spiele, soweit möglich, wieder spielbar zu machen. Da allerdings viel Zeit seit damals vergangen ist, erfordert das einigen Aufwand.

Rezeption

Ein Spiel, das zumindest uns sehr viel Spaß gemacht hat – sowohl das Spielen als auch die Entwicklung, die weniger von ausgefeilten Ideen bei der Programmierung geprägt war, als eher vom aufwändigen Modellieren der Fahrsimulation.

Ein bisschen traurig sind wir vor allem, weil es das wohl letzte Spiel aus einem Overnight Contest sein wird.

Neue Webseite

Hallo zusammen,

wir sind – endlich – wieder online. Die letzten Jahre waren für SI Entertainment eher ruhig: Das Team hat sich mehr mit Familie, Job, Immobilien, Doktorarbeiten beschäftigt als mit Softwareentwicklung. Wenn wir etwas gemacht haben, dann bei unserem Spinoff SI Technics GbR. Dazu kam, dass 2016 ein serverseitiger Schädling alle unsere Webseiten infiziert, so dass sämtliche PHP-Dateien gelöscht werden mussten. Was auch der Grund für den langen Ausfall unserer Webseiten war.

Leider ist auch unsere jährliche Pflichtveranstaltung, die Devmania eingeschlafen. Seit 2015 gibt es sie nicht mehr und so fehlte uns auch ein wenig der Anreiz, etwas in dieser Richtung zu unternehmen. Das finden wir sehr schade und hoffen, dass sich in Zukunft wieder etwas ergibt – uns gibt es noch, jetzt auch wieder mit neuer Homepage.

Wie geht es weiter? Große Projekte wollen wir nicht ankündigen, dazu werden wir in der kommenden Zeit nicht kommen. Was wir uns aber vorgenommen haben ist, diesen Blog wieder zum Leben zu erwecken. Beginnen werden wir mit einer Vorstellung unserer Projekte – beginnend mit unserem letzten Overnight Spiel: Winter Arcade Race.

Euer Team von SI Entertainment. 🙂